Veränderungen können Unsicherheit erzeugen

Unsicherheit und Nichtwissen auszuhalten, fällt uns meistens schwer. Nicht zu wissen, wie es weiter geht, wenn unsere Pläne für unser Leben scheitern, fühlt sich manchmal so an, als würden wir den Boden unter den Füßen verlieren.
Uns fehlt der Halt.

Uns fehlt die Orientierung, die Richtschnur für unser Leben. Und irgendwie ist es schon merkwürdig, zu glauben, dass ein Plan, wie das Leben zu laufen hat uns scheinbar mehr Halt gibt als das Leben selbst.

  • Wie geht es dir mit Unsicherheit?
  • Kannst du solche Zeiten des Nichtwissens annehmen?
  • Oder lenkst du dich durch ganz viel Tun ab?

So ging es meiner Klientin gestern auch: nachdem ihre Pläne für ihre berufliche Zukunft nicht umsetzbar waren (und das trotz sorgfältiger Prüfung und Vorbereitung!), musste ganz schnell ein neuer Plan her.
Der Kopf ratterte und ratterte auf der Suche nach einer neuen Lösung.

Nichtwissen erzeugt Stress

Das ganze System stand unter Stress, ihr Nervensystem war überreizt, der Schlaf unruhig und irgendwie war da so ein komisches Gefühl in ihrem Körper, was sie selbst nicht einordnen konnte und was sich einfach nicht gut anfühlte.
Deshalb schnell wieder weiter denken, um von dem Gefühl abzulenken. …

In der Sitzung haben uns dann gemeinsam diesem Gefühl gewidmet. Das war für sie nicht unbedingt leicht, denn
raus aus dem Kopf und rein ins Fühlen zu gehen, ist für viele Menschen eine Herausforderung.
Gerade Kopfmenschen fällt es schwer, in Verbindung mit ihren Gefühlen zu gehen und zu bleiben.

Kopfmenschen sind in ihrer Kindheit meistens sehr feinfühlend

Dabei sind sie gerade die feinsten „Fühler“. Als Kind waren sie wahrscheinlich ganz feinfühlig und wurden sicherlich häufig von ihren Wahrnehmungen überrollt und überfordert. Meistens war niemand da, der ihnen erklärt hat, was gerade mit ihnen los ist.

Ich kenne das von mir selbst. Auch ich war als Kind sehr feinfühlig/hellfühlend und zuviele Reize von Außen und die Stimmungen von anderen machten mich unsicher. Gerne war ich allein für mich.
Irgendwann mit dem Eintritt in die Schule bin ich dann immer mehr in meinen Kopf gegangen und habe mir die Welt mit dem Verstand erklärt. Das war einfacher und angepasster. Ich war nicht mehr das schwierige und anstrengende Kind, das manchmal schon ein bisschen seltsam war. 😉

Ob es meiner Klientin in ihrer Kindheit ähnlich ergangen ist, weiß ich nicht. Das war gestern auch nicht Thema.
In der Sitzung ging es zunächst darum, das „komische“ Gefühl überhaupt ertsmal wahrzunehmen und aushalten zu können.

Ich sitze der Frau gegenüber, gebe ihr den Raum, um sich besser wahrzunehmen und lenke sie ganz sanft immer wieder zurück in ihren Körper. „Tief durchatmen, Füße spüren, du bist hier nicht allein“. Ich fühle mit ihr, spüre ihren Druck im Brustkorb und Bauch, ihre Tränen, die sie als sie etwas tiefer geht, kaum noch unterdrücken kann. Ich helfe ihr, indem ich benenne, was ich wahrnehme und gemeinsam nähern wir uns dem Gefühl und die Tränen dürfen frei fliessen und damit auch das Gefühl.
Dieses Gefühl von Unsicherheit.

Fühlte sich das gut an?
Nun wohl nicht unbedingt.

Sicherheit ist ein elementares Bedürfnis

Wir Menschen brauchen wie alle Herdentiere das Gefühl von Sicherheit. Und auch wenn wir wissen, dass es letztendlich in diesem Universum keine wirkliche Sicherheit gibt, brauchen wir bestimmte Rahmenbedingungen, um uns sicher zu fühlen.

Deshalb versuchen so viele von uns, das Leben zu kontrollieren.

Wir dürfen jedoch lernen, immer wieder trotz Unsicherheit und Zweifel im Vertrauen zu bleiben. Nichtwissen bedeutet, dass wir es noch nicht wissen. Und gleichzeitig können wir uns etwas Höherem öffnen und das Leben oder Gott bitten, uns die beste Lösung für unsere Situation zu zeigen. Vertrauen bedeutet in diesem Fall, dass wir abwarten und lernen, die Unsicherheit auszuhalten.

Unterdrückte Gefühle sind nicht weg

Auch wenn es sich nicht gut anfühlt, ermöglicht es ganz viel Heilung, wenn wir beginnen, wieder mehr zu fühlen –
wenn wir wieder in Verbindung mit unserem Körper und zusammen mit ihm in Verbindung mit unseren Gefühlen  kommen.

Gefühle, die nicht sein dürfen, gehen nämlich nicht weg. Auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen! Wenn wir aber beginnen, sie wieder zu fühlen und wahrnehmen, was gerade wirklich in uns los ist, kommt das Gefühl ins Fliessen. Und Gefühle, die in Fluss kommen, können sich wandeln.

Wenn viele verkrustete Gefühle in uns sind, braucht es manchmal Hilfe von Außen. Jemanden, der uns anleitet und uns behutsam wieder mit den Gefühlen in Verbindung bringt und uns hilft das Gefühl im Körper zu orten und zu benennen.

Ich selbst habe mich vor vielen Jahren auf diesen Weg zu mir selbst gemacht und habe meine Feinfühligkeit wieder gefunden und angenommen.
Ich kenne das Gefühl der Unsicherheit und weiß auch, wie schwer es scheint, Kopf und Herz/Gefühl/Intuition wieder miteinander zu verbinden.

Und ich weiß, dass es sich lohnt.❤

In der neuen Zeit brauchen wir Menschen, die in guter Verbindung mit ihren Gefühlen sind

Gleichzeitig bin ich mir sicher, dass es in Zukunft genau darauf ankommt: Wir brauchen Menschen, die in einer guten Verbindung mit ihrem Gefühl sind. Wir brauchen Menschen, die Kopf und Herz verbinden. Viel zu lange hat nur der Verstand das Sagen gehabt. Doch um die Probleme dieser Zeit zu lösen und uns als Menschheit weiter zu entwickeln, brauchen wir auch den Zugang zu unseren Gefühlen, zu unserem Herz und Intuition.

Wie findest du Zugang zu deinen Gefühlen?

Der einfachste Weg zu deinen Gefühlen ist dein Körper. Denn immer dann, wenn wir zu sehr im Kopf sind, verlieren wir den Kontakt zu unserem Körper.

Die Verbindung von Kopf zum Körper geht am einfachsten über deinen Atem. Dein Atem bringt dich immer wieder in den Körper und in diesen Moment.

Deshalb: erst einmal einige Male tief durchatmen und leg dabei gerne auch die Hände auf dein Herz. So fällt es dir leichter, deinen Körper zu spüren. Dann nimm deine Füße wahr, fühl den Kontakt deiner Füße zum Boden.

Mach dir bewusst: Solange du deinen Atem spürst und deine Füße Kontakt zur Erde haben, kann dir nichts passieren! Und dann spür in deinen Körper. Gefühle zeigen sich dort gerne als Enge, Druck, Kribbeln oder ähnliches. Manchmal fühlt sich die Stelle auch wie taub oder gefühllos an. Spür erstmal nur diese körperliche Empfindung, bevor du etwas tiefer gehst.

Es kann sein, dass du ganz schnell wieder in deinen Kopf gehen willst: „Ja, ich fühle Enge und das ist ganz bestimmt, weil …“ Du beginnst dann einen Geschichte über das Gefühl zu erzählen anstatt in der Wahrnehmung zu bleiben. Je länger du es schaffst, bei dem, was du in diesem Moment empfindest zu bleiben, umso besser! Doch setz dich dabei nicht unter Druck! Sei achtsam und behutsam mit dir.

Hol dir Unterstützung

Manchmal kann es auch hilfreich sein, wenn du dir bei diesem Prozess Unterstützung holst. Das kann ein Mensch sein, dem du vertraust oder ein*e Therapeut*in. Denn gerade das Gefühl der Unsicherheit macht uns Angst.

Meistens ist es erst einmal nur wichtig, die Unsicherheit wahrzunehmen. Jeder noch so kurze Zeitraum, in dem sie gefühlt wird, ist heilsam. Gleichzeitig ist es wichtig, in Verbindung mit dem Atem zu bleiben. Tiefes und gleichmäßiges Atmen beruhigt unser Nervensystem und wir sind in unserem Körper.

Manchmal braucht es mehrere Sitzungen bis das Gefühl wirklich den Raum bekommt, den es braucht. Und dann kann es sich wandeln.

Achtsamkeit hilft

Eine regelmäßige Achtsamkeits- oder Meditationspraxis hilft, immer leichter mit deinen Gefühlen in Kontakt zu kommen. Hierbei geht es darum, wahrzunehmen, was gerade ist, ohne in eine Wertung zu gehen. Gerade für Kopfmenschen ist die Meditation eine Hilfe, um mehr Ruhe in ihre Gedanken zu bekommen.

Wenn du mehr wissen möchtest oder Hilfe wünschst, schreib mich einfach an. Gerne unterstütze ich auch dich dabei, deine Gefühle wahrzunehmen und zu integrieren.

 

Deine Ramona von

www.herzens-raum.info