Schmerz fühlen und bleiben

Für den tiefen Schmerz alter Wunden gibt es kein Pflaster, keine Spritze und Globuli und auch nicht die richtigen Worte. Das gilt genauso für einen noch frischen Schmerz, z.B. nach einem Verlust eines geliebten Menschen. Ich kann mich noch gut an die erste Situation erinnern, in der mir aufgrund der Brutalität des Lebens die Worte fehlten. Ich saß am Bett einer Freundin, wenige Stunden nach ihrer Fehlgeburt in der 25. Schwangerschaftswoche, wenige Tage nachdem sie mir freudestrahlend von den ersten Einkäufen für’s Baby erzählt hatte. Ich saß bei ihr und schwieg, weil etwas in mir fühlte, dass jedes Wort ‚falsch‘ wäre.

Den Schmerz eines anderen aushalten

Später in meiner Praxis gab es sicherlich einige Situationen, in denen ich nicht einfach still geblieben bin und den Raum für den Schmerz eines Menschen gehalten habe. Es fällt uns schwer, einfach nur da zu sein für einen anderen, ohne etwas tun zu können.

Wir möchte gerne etwas tun, etwas Schlaues oder Tröstendes sagen, Tränen wegwischen oder was auch immer. Und wir wollen das häufig, weil wir durch den Schmerz eines anderen Menschen mit unserem eigenen Schmerz konfrontiert werden. Viele Gesten und Worte sind dann einfach nur Ablenkung von unserem Schmerz. Ohnmacht zu fühlen kann für viele von uns schmerzhaft sein. Da leidet ein Mensch und du fühlst dich hilflos. Das trifft und betrifft jeden von uns  – auch Therapeuten!

Im Lauf meiner Arbeit und durch einige sehr intensive Ausbildungen hatte ich die Möglichkeit, tief in meinen eigenen inneren Schmerz einzutauchen und mir alte Verletzungen und Wunden anzuschauen. Letztendlich durfte vieles dadurch heilen. Mit jedem tieferen Prozess konnte ich andere Menschen und ihre Schattenthemen und Wunden besser verstehen, fühlen und aushalten.

Manchmal fühlt es sich an wie sterben

Wenn ein lang verdrängtes Schattenthema sich in dir öffnet und das Licht deines Bewusstsein dort hineinfällt, fühlt es sich an wie sterben. Was es jetzt braucht ist ein geschützter Raum, in dem ein Mensch mit seinem Schmerz sein darf. Ein anderer Mensch kann diesen Raum halten, wenn man es selbst nicht kann.

Ich durfte schon öfters erleben, dass mir Menschen den Raum gehalten haben, wenn ich von seelischem Schmerz weg gespült wurde.

Atmen, brüllen, weinen, fühlen … Atmen und fühlen … Atmen und fühlen …

Bis es still wird und Frieden einkehren darf.

Es gibt kein Konzept für den Schmerz

Ich werde in meiner Arbeit immer mal wieder gefragt: „Wenn ich das und das jetzt mache, wenn ich durch den Schmerz gehe, atme, meditiere etc., ist der Schmerz dann weg und kommt nie mehr wieder?“ Oder: „Hört meine Angst auf, wenn ich mich an dieses oder jenes 7oder 10-Schritte-Programm halte?“

Solche Fragen entspringen aus dem Wunsch, dass wieder alles gut oder so wie früher wird. Wir wünschen uns so sehr die Sicherheit eines Konzepts, um den Schmerz der Verletzung, Trauer oder Ohnmacht nicht mehr fühlen zu müssen.

Was wenn es vielleicht NIE wieder gut wird?

Was wenn es anders gut wird?

Was wenn der Schmerz immer wieder kommt?

Der Schmerz eines Verlusts, einer Krankheit oder einer tiefen alten Verletzung kann und darf IMMER wieder hochkommen. Es gibt da kein Patentrezept und auch keinen 12-Punkteplan.

Scheisse, oder?

Doch ich würde lügen, wenn es anders wäre. Wie kann ich meinen Klientinnen erzählen, dass der Schmerz über eine Fehlgeburt oder ihre nicht gewollte Kinderlosigkeit nie mehr hochkommt? Wie kann ich das wissen?

Ein Schmerz verändert sich mit dem Weg der Heilung

Wie kann ich einer trauernden Mutter erzählen, dass sie sich nicht so anstellen soll und endlich wieder ganz normal weiter machen soll? Es ist vollkommen okay, wenn Schmerz oder Trauer sich immer mal wieder zeigen. Trauer kommt und geht in Wellen und wahrscheinlich geht sie nie ganz weg. Gefühle kommen und gehen in Wellen, wenn sie frei fließen dürfen. Ein Schmerz verändert sich mit dem Weg der Heilung, dennoch gehört alles zu uns. Diesen Satz schrieb eine Frau unter meinen Facebookpost zu diesem Thema und ja, so scheint es mir auch.

Leben ist so komplex. Jeder Einzelne von uns ist so komplex. Unser Körper-Geist-Seele-System ist so komplex. Daher können wir nicht wissen, ob oder wann eine Wunde erneut aufreißt und angeschaut werden möchte.

Annehmen, was ist

Wir können immer nur mit dem „arbeiten“, was gerade jetzt da ist. Und das ist genau richtig so. Im Annehmen unseres Schmerzes sinken wir in immer tiefere und feinere Schichten des Heilwerdens.

Gefühle zu unterdrücken, weil wir sie nicht fühlen wollen, hilft uns langfristig nicht weiter. Es nimmt uns unendlich viel Energie, die uns in unserem Leben fehlt.

Wir werden mit dem jedem Durchfühlen unseres Schmerzes, wenn er sich zeigt, freier und heiler. Doch es gibt kein Patentrezept, keine Sicherheit, dass er nie mehr wiederkommt oder dass es so und so schnell gehen muss.

Jeder Mensch hat seine Geschichte

Wie anmaßend ist es, dass wir Menschen Patentlösungen anbieten? Jeder von uns fühlt und erlebt anders. Jeder von uns hat eine andere Geschichte, andere Erfahrungen und Verarbeitungsmechanismen.

Ich glaube aber fest daran, dass es uns immer mehr gelingen wird, einander ehrlich zu zeigen. Dadurch wird so viel Heilung für jeden von uns und im Kollektiv möglich sein: Wenn wir anfangen, uns gegenseitig zu zuhören – offen und ohne Bewertung – und uns so mit allem, was in uns ist einander mehr und mehr zeigen.

Der Raum für unsere echten Geschichten fehlt überall. Und er wird dringender denn je gebraucht. Es geht nicht länger darum, dass wir uns gegenseitig etwas vormachen, wie toll und erfolgreich wir sind. Das führt uns nicht weiter. Wir brauchen Echtsein, wir brauchen keine Masken mehr!

Wir können einander der Raum geben

Was es dafür braucht, ist die Bereitschaft mitzufühlen und zu lauschen. Und es braucht die Bereitschaft, dass ich mich meinem eigenen Schmerz stelle. Denn nur dann kann ich den Schmerz eines anderen Menschen aushalten, ohne ihn wegmachen zu wollen. Ich kann nur dann die Tränen eines Menschen sehen, ohne sie sofort wegwischen zu wollen, wenn ich mich meiner eigenen Tränen nicht mehr länger schäme.

In so einem Raum darf natürlich alles geteilt werden. Auch die Freude und der Erfolg! Denn auch hier nehmen wir uns häufig zurück, z.B. wenn es anderen gerade nicht gut geht. Darf ich dann meine Freude teilen? Ja du darfst!

Und wir dürfen uns gegenseitig an die Liebe erinnern und an das, was uns verbindet.

Wir praktizieren das im HEILRAUM FÜR FRAUEN. Du kannst am 12.8. noch für 4 Monate einsteigen.

Den Raum halten

Ich durfte mittlerweile schon viele Male den Raum für Menschen in ihrem Schmerz halten.

In diesem Raum darf alles sein.

DU darfst sein.

Dein Schmerz darf sein.

Deine Trauer, deine Wut, deine Scham, deine Ohnmacht …

Atmen und fühlen

Da sein

Und Heilung geschieht.

Wir müssen uns wieder vom Schmerz in dieser Welt berühren lassen, denn er ist unser aller Schmerz.
Weglaufen geht nicht mehr länger.

Hüten und Heilen

‚HÜTEN UND HEILEN‘ ist meine Antwort auf meinen Schmerz und gleichzeitig meine Liebeserklärung an uns Menschen und die neue Zeit.
‚HÜTEN UND HEILEN‘ ist mehr als eine Ausbildung.
‚HÜTEN UND HEILEN‘ kann dein Leben verändern und damit auch das Leben von anderen.
‚HÜTEN UND HEILEN‘ beginnt am 30. September.
Deine Ramona